08. Februar 2019

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Stossender Stellenabbau bei Julius Bär

Anfang Februar 2019 kündigte Julius Bär ein strukturelles Kostensenkungsprogramm an. Damit werden bis Ende Jahr rund 120 bis 180 Stellen abgebaut. Der Kaufmännische Verband als Sozialpartner findet die Massnahme besonders stossend, da die Aktionäre gleichzeitig eine höhere Dividende ausgezahlt bekommen, und fordert im Rahmen des neuen Sozialplans Anschlusslösungen für möglichst alle betroffenen Mitarbeitenden.


Obwohl die strategischen Wachstumsinvestitionen fortgeführt werden, hat die Zürcher Privatbank Julius Bär anlässlich der Präsentation ihres Jahresabschlusses am 04. Februar 2019 ein strukturelles Kostensenkungsprogramm annonciert. Die Gruppe will ihre Ausgaben um insgesamt CHF 100 Millionen senken. Ziel sei, allfällige marktbedingte Ertragsschwankungen kurz- bis mittelfristig auszugleichen. Die Einsparungen sollen durch eine stärkere Fokussierung auf gewisse Märkte sowie entsprechende Priorisierung der Ressourcenverteilung erreicht werden, aber auch durch die Ausschöpfung von Automatisierung und Digitalisierung sowie ein strikteres Performance-Management. Bis Ende 2019 werden somit rund 2% des Nettopersonalbestands abgebaut – was rund 120 bis 180 Stellen entspricht. Die betroffenen Divisionen und Geschäftsbereiche sind momentan noch nicht bekannt.

Der Entscheid von Julius Bär kommt insofern überraschend, dass gemäss Bernhard Hodler, CEO der Julius Bär Gruppe, die Bank in einem für die gesamte Branche herausfordernden Umfeld, mit einem stabilen Konzerngewinn und einem robusten Netto-Neugeld-Zuwachs das Geschäftsjahr 2018 abschloss. Der Kaufmännische Verband findet es besonders stossend, dass trotz geplantem Stellenabbau die Aktionäre eine höhere Dividende ausbezahlt bekommen, als noch im Vorjahr.

In den kommenden Wochen wird die Geschäftsleitung der Julius Bär Gruppe ein ordentliches Konsultationsverfahren eröffnen. Der Kaufmännische Verband wird tatkräftig an diesem Verfahren teilnehmen und sich für sozialgerechte Anschlusslösungen einsetzen. Gemäss Julius Bär fallen alle von der Restrukturierung betroffenen Angestellten unter den neuen ständigen Sozialplan (siehe Infobox), welcher per 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist. Dieser legt finanzielle Entschädigungsmassnahmen fest und soll Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung bieten.

Infobox Sozialplan

Der Sozialplan ist eine Vereinbarung, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer Massnahmen festlegen, um die Anzahl Kündigungen zu beschränken und deren Folgen zu mildern. Er soll soziale Härte vermeiden und den betroffenen Angestellten effiziente Anschlussmöglichkeiten vorskizzieren. Der Sozialplan kommt in der Regel bei Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen ohne direktes Verschulden der Arbeitnehmer zum Zuge.

Im Falle von Julius Bär fallen alle von der Restrukturierung betroffenen Angestellten unter den Sozialplan. Dieser wurde erst letztes Jahr zwischen Julius Bär und den Sozialpartnern, darunter dem Kaufmännischen Verband, neu verhandelt und ist seit 1. Januar 2019 in Kraft.

Der Sozialplan enthält u.a. folgende Leistungen für die betroffenen Angestellten:

- Abfindungszahlungen (je nach Dienstjahr und Lohn)
- Outplacement Services
- Frühpensionierungslösungen für Mitarbeiter ab 58 Jahren (mit Einzahlung in die Pensionskasse)
- Weiterbildungsmassnahmen

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